ÜBERRASCHT VON DER HILFE
24-jähriger Irkutsker hat sich in
Pforzheim über Angebote für Suchtkranke informiert

Eine selbst bedruckte Stofftasche zeigt der russische Gast Sergej Kiseljov zusammen mit Q-Prints-Geschäftsführerin Ute Hötzer sowie Tatjana Pfennig und Irmtraut Gengenbach vom Vorstand der Deutsch-Russischen Gesellschaft (von links)
Der 24-Jährige arbeitet seit viereinhalb Jahren in
dem Drogen-Therapie-Zentrum „Kreuzung der sieben Wege“ in Angarsk nahe der
ostsibirischen Metropole Irkutsk, die mit Pforzheim freundschaftlich verbunden
ist. Im April 2003 ist in diesem Therapie-Zentrum – unter anderem mit
Spendengeldern aus Pforzheim – eine Druckerei eröffnet worden, die Kiseljov
leitet. Nun hat sich der Irkutsker darüber informiert, wie in Pforzheim
drogenabhängigen Menschen geholfen wird. Während seines Aufenthalts in Pforzheim
hat er in der Siebdruckerei der Firma „Q-Prints“ mitgearbeitet. „Q-Prints“
beschäftigt unter anderem Männer und Frauen mit Suchtproblemen.
Auch die Drogenhilfe und andere Therapieeinrichtungen in Pforzheim hat der
Irkutsker besucht. „Es war eine sehr nützliche berufliche Erfahrung, ich habe
hier eine ganz andere Herangehensweise an die Drogenproblematik gesehen“, zeigt
sich Kiseljov sehr angetan. Besonders beeindruckt hat ihn „das
Streetwork-Projekt, aber auch viele Kleinigkeiten. Einige meiner Eindrücke
können wir sicher in Irkutsk umsetzen.“
Angetan von der Umgebung
Gut gefallen hat Kiseljov auch die Gegend: Neben Pforzheim hat er zum Beispiel
auch Bad Wildbad und Enzklösterle besucht. Die derzeitigen frostigen
Temperaturen in Pforzheim empfindet er „fast wie Frühling“, denn in seiner
sibirischen Heimat sind im Winter Temperaturen von minus 35 Grad nichts
außergewöhnliches. „Auch für uns ist das sehr kalt“, erzählt der Irkutsker,
„aber wir geraten nicht in Panik“.
Kiseljovs Russisch übersetzt Irmtraut Gengenbach, die zweite Vorsitzende der
Deutsch-Russischen Gesellschaft (DRG). Gewohnt hat der Russe bei der Familie von
DRG-Vorstandsmitglied Tatjana Pfennig. Die DRG setzt sich zusammen mit „Q-Prints“
für die Rehabilitation von Suchtkranken ein. In Irkutsk sind Drogenprobleme viel
stärker verbreitet als hier zu Lande: Von den 1,5 Millionen Einwohnern im
Irkutsker Gebiet sind 40 000 heroinabhängig und 11 000 HIV-positiv. Zum
Vergleich: Von den 80 Millionen Menschen in Deutschland sind zirka 150 000
heroinabhängig. Heute macht sich Kiseljov auf den rund neunstündigen Rückweg
nach Irkutsk. Zwar habe er in Pforzheim kein Heimweh gehabt – aber er freue sich
darauf, die Heimat wiederzusehen.