IN IRKUTSK DIE SCHULBANK GEDRÜCKT
Pforzheimer Gymnasiasten zwei Wochen bei russischen Freunden
Baikalsee übt Faszination aus

Frostig: Die Pforzheimer Schülergruppe auf dem Baikalsee. Foto: privat
Temperaturen von 30 Grad unter Null sind mit warmer Kleidung und guter Laune leicht zu ertragen. Diese Erfahrung machten 14 Schülerinnen und Schüler der Fritz-Erler-Schule, des Reuchlin- und Schiller-Gymnasiums bei einer Begegnungsfahrt in die 7500 Kilometer entfernte, mit Pforzheim freundschaftlich verbundene Stadt Irkutsk in Ostsibirien.
Mit dem Schulleiter der Fritz-Erler-Schule, Karl-Heinz Wagner, und der Russischlehrerin und zweiten Vorsitzenden der Deutsch-Russischen Gesellschaft, Irmtraut Gengenbach, besuchten die Jugendlichen das Irkutsker Lyzeum Nr. 3; eine Schule, die über einen Fremdsprachenzug mit erweitertem Deutsch-Unterricht verfügt. Neben den russischen Lehrkräften sorgen auch zwei deutsche Lehrerinnen im Auslandsschuldienst für eine hohe Qualität in der Sprachausbildung.
Dicke Mäntel und Pelzmützen
Etwas erschöpft von zwei Nachtflügen, die in Moskau durch eine interessante Stadtrundfahrt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie Kreml, Roter Platz und Kaufhaus Gum unterbrochen worden waren, kam die Gruppe sonntags um halb sechs am Flughafen der sibirischen Metropole an. In dicke Mäntel und Pelzmützen eingemummte Gestalten erwiesen sich als die Gastgeber.
Von der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der russischen Familien, bei denen sie untergebracht waren, zeigten sich auch Schüler besonders beeindruckt. Sie berichteten bei der letzten Mitgliederversammlung der Deutsch-Russischen Gesellschaft von ihrer Reise: „Ich bin von der Gastfreundschaft begeistert.
Meine Gastfamilie ist mir ans Herz gewachsen und ich stehe jetzt mit meiner Gastschwester in regelmäßigem e-Mail-Kontakt. Ich möchte unbedingt wieder dorthin fahren“ resümierte Leo Kogge. Auch Christiane Mall zeigte sich von der Gastfreundschaft überrascht. „Es ist ungewohnt für uns, manchmal fast zu viel des Guten, man muss aber verstehen lernen, dass dies nicht als Bevormundung gemeint ist.“
Viele Sitten und Bräuche
Leander Teschner stellte fest, dass sich die russische Kultur sehr von der Kultur in Deutschland unterscheidet. „Wir haben viele Sitten und Bräuche kennengelernt. Es war toll, dass wir die Möglichkeit hatten, das zu erfahren. Auch die Natur unterscheidet sich sehr von unserer!“
Neben den Schulbesuchen, wozu auch ein Basketball-Match gehörte und dem Empfang im Rathaus der Stadt durch Vize-Bürgermeisterin Alajewa war das zweiwöchige Programm vor allem landeskundlich geprägt. Es gab eine Stadtbesichtigung mit dem Besuch verschiedener Museen, Ausflüge zum Baikalsee, dem fast 600 Kilometer langen größten Süßwasserspeicher der Erde, und die Teilnahme am erst seit der Perestrojka wieder gepflegten russischen Fastnachtsbrauchtum.
Als Highlight empfanden die jungen Leute eine Fahrt zu der 300 Kilometer von Irkutsk entfernten Insel Olchon mit zweimaliger Übernachtung in einer Feriensiedlung in typischer Blockhausbauweise.
Die Sonne strahlte vom tiefblauen Himmel und ließ die Schneekristalle funkeln. Eine ganztägige Exkursion mit Geländewagen über das glitzernde Eis des Baikalsees bis zur Nordspitze der Insel machte das Wintermärchen perfekt.
Unterwegs hackten die Fahrer ein Loch in das dicke Eis. Sie machten auf dem Eis Feuer, schöpften Wasser aus dem Eisloch und kochten Tee mitten auf dem See. Am Abend konnte man dann die kalten Nasen und Füße in der russischen Banja, einer Art Sauna, wieder aufwärmen. „Ich war schon zum zweiten Mal dabei. Den Baikalsee im Winter zu erleben, war etwas ganz Besonderes“ sagte Heinrich Kerth.
Beziehungen intensivieren
Der Schüleraustausch mit Irkutsk, der auf der Basis der deutschen Sprache stattfindet, wird seit neun Jahren von der Deutsch-Russischen Gesellschaft Pforzheim organisiert.
Beim Empfang der Stadt Irkutsk für die Pforzheimer Delegation betonte Oberstudiendirektor Wagner, dass die Beziehung der beiden Schulen zueinander dazu beitragen soll, dass die jungen Menschen sich gegenseitig besser kennen lernen.
Auch der Sprecher der Russisch-Deutschen Gesellschaft in Irkutsk, Sergej Arfanidi, unterstrich die Bedeutung der diesjährigen Schülerbegegnung, da zum ersten Mal der Schulleiter eines Pforzheimer Gymnasiums dabei war.
© Pforzheimer Zeitung, 11.04.2006